ENTSTEHUNG DER RASSE / WORK OF THE BREED  !

 

Entstehung der Rasse

 

Der Schwarze (Russische) Terrier ist eine der neuesten Rassehunde- Züchtungen der Welt. Aus diesem Grunde sei es erlaubt, etwas weiter in die Rassengeschichte einzusteigen. 

Es ist schwer zu glauben, dass die Schwarzen Terrier erst in den 60er Jahren gezüchtet wurden und zur jüngsten Arbeitshunderasse der Welt gehören. Nach der Revolution und dem Bürgerkrieg in Russland in den Jahren 1917 - 1923 wurden alle privaten Zwinger zerstört und 90% aller reinrassigen Tiere waren verloren. Auch die Mehrheit der Personen,  die wussten, was bei der Hundezucht zu beachten ist, starben oder wanderten aus. Nachdem sich das neue Regime etabliert hatte, wurden Gebrauchshunde für Polizei - und Armeedienst benötigt. Es gab aber keine qualifizierten Kynologen und keine Quelle für solche Tiere.1924 wurde die zentrale Armeeschule der Kynologen gegründet. In ihren Abteilungen waren ausgebildete Profis für Armeedienst und Hundezucht in Staatszwingern. Das größte Zentrum dieses Systems war der "Kranaya Zvezka" Zwinger ("Roter Stern") Dort hatte man Tausende Hunde zu halten, auszubilden sowie für den Polizei- und Armeedienst zu züchten. Bis zum heutigen Tage wird dort gezüchtet, aufgezogen und ausgebildet. Doch seine führende Rolle hat "Kranaya Zvezka" verloren. 

In den 30er Jahren, Ära Stalin, gab es in den Militärzwingern eine Anzahl großer, bissiger Mischlinge. Diese Tiere konnten lediglich als Wachhunde eingesetzt werden, ansonsten besaßen Sie keine besonderen Fähigkeiten. Militärkynologen benötigten  also reinrassige Hunde für spezielle Aufgaben. Zu diesen Zeiten wurden aber auch für die schnell wachsende Zahl militärischer Gegner vierpfotige "Manstopper" benötigt. Die Armee- und Gulagzwinger waren nicht in der Lage, genügend reinrassige Tiere zu züchten.

Vor dem zweiten Weltkrieg befanden sich in "Krasnaya Zwezka" Kaukasische-, Mittel-Asiatische-, Mongolische und Südrussische Schäferhunde, Airdale Terrier, Collies, Bernhardiner, Neufundländer und die große Dänische Dogge. Nach dem zweiten Weltkrieg brachten Soldaten Riesenschnauzer und Rottweiler als Beutegut mit. So nähern wir uns der Entstehung des Schwarzen Terriers.

Die russischen Mitlitärkynologen benötigten einen Hund, der robust, den unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen dieses Landes angepasst, groß, kräftig, von schneller Auffassungsgabe, wehrhaft und reserviert Fremden gegenüber war. Diese Eigenschaften waren nötig für den Dienst in Gulags. Der erste Zuchtabschnitt bestand aus den Kreuzungen Riesenschnauzer x Airdale Terrier und Riesenschnauzer x Rottweiler. Würfe wurden in Linienzucht weitergezüchtet. Im zweiten Zuchtabschnitt wurden einige Hunde des ersten Abschnitts mit den sogenannten "Moscow Divers" gekreuzt. Dies war eine Mischung zwischen Neufundländern, Kaukasischen und Ost-Europäischen Schäferhunden. Sie wurden wie der Schwarze Terrier als große Wachhunde weitergezüchtet. Dieser Typ konnte sich nicht durchsetzen. In den frühen 60er Jahren wurde diese Rasse als "nicht verwendbar" aus dem Zuchtprogramm genommen. 

Zusammengefasst kann man sagen, dass die Schwarzen Terrier aus 30% Riesenschnauzer, 30% Airedale Terrier und 30% Rottweiler bestehen. Die restlichen 10% sind eine Kombination aus Neufundländer, Kaukasischem- und Europäischen Schäferhund und der Deutschen Dogge. Die ersten Schwarzen Terrier wurden nicht nur als Wachhunde in Gefängnissen eingesetzt, sondern auch als Allround Armee- und Polizeihunde. Ob im fernen Norden oder im fernen Süden Russlands, sie mussten ihre Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen sowie ihre Vielseitigkeit, den Einsatz betreffend , beweisen. Schwarze Terrier wurden auch als Schlittenhunde eingesetzt wenn auch nicht so erfolgreich wie Huskies oder andere Schlitten Profis, aber dennoch besser als andere Arbeitshundrassen. Einige wurden als Treib- und Hütehunde benötigt und in der Landwirtschaft eingesetzt. Diese Beispiele zeigen uns die Vielseitigkeit dieser Rasse. Schwarze Terrier wurden zu Aufgaben herangezogen, für die es normalerweise spezialisierte Rassen gibt. Diese Vielseitigkeit haben sie sich bis heute bewahrt.

Es stellt sich nun die Frage: Wie wird aus einem derart vielseitig einsetzbaren, starken und couragierten Hund ein Familienhund? Warum hat dieser Hund seine Armeekarriere aufgegeben? Dies sind interessante Fragen, und wir wollen sie beantworten.

Zuerst einmal benötigt der Schwarze Terrier Trimming und Pflege. Damit ist er in einem Armeezwinger, in dem nur ein Minimum an Pflegeaufwand getrieben wird, fehl am Platze. Dieser Hund wird nur langsam erwachsen. Dadurch sind Aufzucht und Ausbildung teurer als bei anderen Arbeitshunderassen, wie dem Osteuropäischen- und dem Asiatischen Schäferhund. Einer der Hauptpunkte ist aber: Der Schwarze braucht  einen sehr engen Kontakt zum Menschen. Zwingeraufenthalt  und dauernd wechselnde Bezugspersonen  liegen dem Schwarzen Terrier nicht.

 Bei der "All Russian Dog Championship Show" 1957 waren erstmals 43 Schwarze Terrier zu sehen und diese weckten das Interesse privater Hundeliebhaber in Moskau und St. Petersburg. Zum gleichen Zeitpunkt starb Stalin und viele Gefängnisse wurden geschlossen. Dies wiederum erlaubte den Militärzwingern, ganze Würfe an Privatleute zu verkaufen.

Physisch, als auch im Temperament, war die Rasse noch instabil. Im Vergleich zu den modernen Showhunden sahen die Showhunde damals noch etwas rau und buschig aus. Ausgeglichenes Temperament war ebenfalls nicht ihre Stärke. Sie waren zu scharf für den normalen Besitzer. Private Züchter selektierten ihre Zuchthunde nunmehr nach anderen Kriterien. Intelligenz, Lernfähigkeit, Disziplin und Loyalität gegenüber seinem Besitzer zeichnete den neuen Hundetyp aus. Der heutige Schwarze Terrier ist vom Temperament her unverdorben, dies macht ihn zu einem liebevollen und anhänglichen Haustier. Clever, diszipliniert, feinfühlig im Umgang mit Kindern und Behinderten, aber dennoch in der Lage einen Fremden oder Eindringling zu stellen bzw. sein Terrain grundsätzlich zu bewachen. Diese Eigenschaften machen den Schwarzen Terrier zu einem exzellenten Familienhund. 

 

Schwarze Terrier in Deutschland.

In Deutschland ist der Schwarze Terrier seit 1982 anzutreffen. Es wurde eine 12 Wochen alte Hündin aus Moskau importiert. Zu diesem Zeitpunkt gab es schon einen dreijährigen Rüden der von einem deutsch-sowjetischen Ehepaar bei der damaligen Übersiedlung in die BRD mitgebracht worden war. Beide Hunde stammten aus der Moskauer Zuchtrichtung. Der erste Wurf dieser Verpaarung in Deutschland fiel im November 1985, der zweite Wurf im Juli 1987. Zwei weitere Würfe mit einer eigenen Nachzuchthündin und einem schwedischen Rüden (Samenimport, künstliche Befruchtung) folgten. Unterdessen hatten einige wenige Züchter die Hunde gesehen und Feuer gefangen. Da zwei Hündinnen und ein Rüde, zuzüglich Samenimport noch lange keine etablierte Rasse ergeben, machten sich drei Familien, Rambke, Schmidt und Gieselmann, unabhängig voneinander auf den langen, steinigen Weg, im Mutterland Russland oder auch in Polen geeignete Hunde für die Zucht zu bekommen.. Mitte bis Ende der 80er Jahre war es kaum möglich im Osten einen guten "Russen" zu finden oder diesen auch noch zu erwerben. Verständigung war immer eine Katastrophe. Briefkontakte, inklusive der verzweifelten Suche nach einem Übersetzer, nächtliche Telefonaktionen und vieles mehr folgten. >Es gelang aber diesen  Züchtern in Ungarn, Polen und der Sowjetunion fündig zu werden. Nach der Öffnung der Grenzen zum Osten war es dann einfacher, hier und dort einen Schwarzen Terrier zu bekommen, so dass die Zuchtbasis allmählich breiter wurde. 

Das Problem der Hüftdysplasie tat sich auf. Nur wenige der unter sehr vielen Mühen importierten Hunde konnten zur Zucht eingesetzt werden. Die Hüftgelenksdysplasie ist auch heute noch das Hauptproblem der aus dem Osten importierten Tiere. In osteuropäischen Ländern gibt es keine kontinuierliche Röntgenkontrolle. Einzelne Züchter bzw. Halter von Ausstellungshunden sind allerdings bereit, ihre Hunde HD röntgen zu lassen. In Deutschland nahm die Zucht der Schwarzen Terrier ihren kontinuierlichen Fortgang. Heute gibt es in Deutschland ca. 25 Züchter dieser Rasse. Immer noch leisten Züchter, Halter und Aussteller Pionierarbeit. Im Jahre 1997 fielen ca. 150 Welpen. Dies ist nicht sehr viel,  wenn man die Zahlen mit anderen Gebrauchshunderassen vergleicht.

 

Schwarze Terrier sind heute in Deutschland überwiegend Familienhunde. Robust und ausgeglichen im Wesen, gelehrig und sensibel gegenüber seiner Umwelt. Im Zwinger hat der Schwarze Terrier nichts zu suchen. Nur beim engen Zusammenleben mit seiner Familie kommen seine besten Eigenschaften zum Tragen. Der Schwarze Terrier will beschäftigt werden. Sie sind wetterfeste Familien-, Gebrauchs- und Rettungshunde, sich ihrer Stärke wohl bewusst. Obschon bei den Schwarzen Terriern kein Jagdtrieb vorhanden ist, werden einige wenige jagdlich geführt. Sie sind ruhig und ausgeglichen im Haus. Draußen allzeit bereit zum Spielen und Toben. Welpen sind aufgeschlossen, neugierig und sehr gelehrig. Sie sollten mit sehr viel Liebe und der notwendigen Konsequenz erzogen werden, wobei unnötige Härte nicht angebracht ist. Schwarze Terrier werden sehr spät erwachsen, sie brauchen genügend Zeit für ihre Entwicklung. Man sollte mit einem Junghund nicht zu früh anfangen zu arbeiten.

 

Aussehen.

Schwarze Terrier sind übermittelgroße, robuste Hunde mit kräftigem Knochenbau. Das Haar ist schwarz und fest mit Unterwolle am Kopf und an den Beinen ist reichlich"Schmuckhaar". Graues Stichelhaar ist erlaubt. Die Widerristhöhe wünscht man sich beim Rüden zwischen 66cm und 72cm, bei der Hündin zwischen 64cm und 70cm. Das Gewicht einer Hündin beträgt ca. 35 - 45 kg, das eines Rüden 40 - 55 kg.. Seit dem 1. 6. 1998 darf bei Schwarzen Terriern, wie bei allen anderen Hunderassen auch, die Rute nicht mehr kupiert werden. 

Gemeinsam ist es den Züchtern gelungen das Problem der Hüftdysplasie einzugrenzen. Im Alter von 18 Monaten werden Schwarze Terrier geröntgt. Das Röntgenbild und die Ahnentafel werden dem Klubzuchtwart überlassen. Dieser reicht die Unterlagen dann bei dem Gutachter ein Im Klub für Terrier haben die Schwarzen Terrier ihre Heimat gefunden. Vor Jahren von einigen Züchtern noch als Exoten belächelt und abgetan. Heute fest etabliert und gerne gesehen. Auf der Welthundeausstellung in Dortmund 1991 waren 56 Schwarze Terrier gemeldet, eine für 1991 überwältigende Zahl. Es waren Hunde aus Belgien, Italien, Österreich, Finnland, Tschechoslowakei, Polen, der Sowjetunion und aus Deutschland zu sehen. So bunt der Reigen der Nationalitäten, so "bunt" stellten sich auch die Schwarzen Terrier dar. Die unterschiedliche Trimmung stach schon sehr ins Auge. Man sah Schwarze Terrier, zugewachsen und absolut ungetrimmt, kurzgeschoren wie ein Riesenschnauzer, bis zur perfekten Pudelschur.

 

Heute sieht man dahingehend ein wesentlich einheitlicheres Bild. Der Schwarze Terrier soll das Erscheinungsbild eines gepflegt ungepflegten Hundes haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit spielt es eine Rolle, dass der Klub für Terrier nach Anerkennung dieser Rasse 1982, die Betreuung übernommen hat. Da man immer wieder perfekt getrimmte Terrier vor Augen hat entsteht natürlich der Wunsch die Vorzüge eines Hundes durch gekonntes Trimming hervorzuheben. Bei der Welthundeausstellung 1996 in Budapest stachen die Hunde der GUS- Staaten durch fachgerechtes Trimming ins Auge.

Evelyn Rambke und Lucia Schmidt

 

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